Buntstifte sind das beliebteste Werkzeug für Ausmalbilder, und das aus gutem Grund. Sie lassen sich leicht führen, bluten nicht durchs Papier und schaffen alles von zarten Pastelltönen bis zu satten, leuchtenden Farben. Zwischen einfachem Auskritzeln und Ausmalen mit Technik liegt allerdings ein großer Unterschied. Mit diesen 12 Tipps hebst du deine Bilder auf das nächste Level.
1. Halte deine Stifte spitz
Eine scharfe Spitze kommt in kleine Flächen und trägt die Farbe gleichmäßig auf. Eine stumpfere Spitze ist praktisch, um große Flächen weich zu füllen. Leg dir einen guten Anspitzer bereit und spitze oft.
2. Beginne mit wenig Druck
Anfänger drücken oft von Beginn an fest auf. Dadurch wird die Struktur des Papiers (der sogenannte „Zahn“) platt gedrückt, und es kann keine weitere Farbe mehr aufnehmen. Fang leicht an und bau die Farbe in Schichten auf. Mehr Farbe geht immer, Farbe wieder wegzunehmen ist schwer.
3. Trage Farben in Schichten auf
Ein professioneller Look entsteht durch Schichten. Trage mehrere leichte Schichten derselben Farbe oder verschiedener Farben übereinander auf. Jede Schicht füllt die Papierstruktur ein Stück mehr, und die Farbe wird satter und gleichmäßiger.
4. Male in kleinen Kreisen oder gleichmäßigen Strichen
Kleine, sich überlappende Kreise ergeben die gleichmäßigste Fläche. Wenn du lieber Striche setzt, führe sie innerhalb einer Fläche immer in dieselbe Richtung oder folge der Form des Motivs (zum Beispiel längs über ein Blatt oder entlang der Rundung eines Blütenblatts).
5. Arbeite von hell nach dunkel
Trage zuerst die hellsten Farben auf und setz dunklere Töne darüber. Dunkle Farben lassen sich kaum aufhellen, helle dagegen leicht vertiefen.
6. Lege eine Lichtquelle fest
Entscheide, woher das Licht kommt, zum Beispiel von oben links, und bleib auf dem ganzen Bild dabei. Flächen, die dem Licht zugewandt sind, bleiben heller, abgewandte Flächen werden dunkler. Diese eine Entscheidung lässt flache Zeichnungen dreidimensional wirken.
7. Schattiere mit zwei oder drei Tönen einer Farbe
Wähle für jede Fläche eine helle, eine mittlere und eine dunkle Variante einer Farbe. Male die ganze Form im hellen Ton aus, setz den mittleren Ton auf die lichtabgewandte Seite und tupfe den dunkelsten Ton in die tiefsten Schatten.
8. Verblende für weiche Übergänge
Um zwei Farben zu verblenden, lass sie sich an der Nahtstelle mit wenig Druck überlappen und male hin und her, bis die Kante verschwindet. Verblenden kannst du außerdem mit:
- Einem farblosen Blender-Stift, der die Schichten glättet, ohne Farbe hinzuzufügen
- Einem weißen oder sehr hellen Buntstift, den du darüberlegst, um die Farben weicher zu machen
- Einem Papierwischer, mit dem du die Farbe sanft ineinanderschiebst
9. Probier Polieren für ein glattes Finish
Polieren (englisch „Burnishing“) bedeutet, am Ende mit einem hellen oder farblosen Stift fest über deine Schichten zu malen. Das füllt die restliche Papierstruktur und sorgt für eine glatte, fast glänzende Oberfläche. Poliere zuletzt, denn danach halten kaum noch weitere Schichten.
10. Setz Lichter
Lass auf glänzenden Oberflächen wie Augen, Wasser, Glas und Obst kleine Stellen weiß. Falls du es vergisst, kannst du mit einem weißen Gelstift nachträglich Lichter auf das fertige Bild setzen.
11. Nimm Komplementärfarben für Schatten
Statt jeden Schatten grau oder schwarz zu malen, probier einen dunkleren Ton oder eine Komplementärfarbe. Etwas Lila in den Schatten von Gelb oder Blau in den Schatten von Orange wirkt natürlicher und lebendiger.
12. Leg dir eine Farbkarte an
Male von jedem Stift ein kleines Farbfeld auf ein Blatt desselben Papiers, auf dem du ausmalst, und beschrifte es. Die Farbe eines Buntstifts sieht auf dem Papier oft anders aus als am Schaft. Eine Farbkarte erspart dir das Rätselraten.
So wählst du Buntstifte für Erwachsene aus
Wachs- oder ölbasiert
- Wachsbasierte Buntstifte sind meist weich und cremig, lassen sich leicht verblenden und geben satte Farbe ab. Nach vielen Schichten kann ein leichter, milchiger Wachsschleier („Wax Bloom“) entstehen, der sich mit einem weichen Tuch abwischen lässt.
- Ölbasierte Buntstifte sind meist etwas härter, bleiben länger spitz und eignen sich hervorragend für feine Details. Einen Wachsschleier bilden sie nicht.
Beide sind ausgezeichnet, und viele verwenden sie zusammen.
Schul- oder Künstlerqualität
- Buntstifte in Schulqualität sind günstiger und für Kinder und Einsteiger völlig in Ordnung, enthalten aber meist weniger Pigment.
- Buntstifte in Künstlerqualität enthalten mehr Pigment, die Farben leuchten stärker und lassen sich besser verblenden. Sie kosten mehr, halten aber länger, weil du weniger Druck brauchst.
Größe des Sets
150 Farben brauchst du nicht. Ein Set mit 24 bis 48 Farben, das von den Hauptfarben gute helle, mittlere und dunkle Töne enthält, reicht für die meisten Ausmalbilder völlig aus. Einzelne Stifte kannst du später ergänzen.
Das richtige Papier
Buntstifte funktionieren auf fast jedem Papier, aber leicht strukturiertes, schwereres Papier nimmt mehr Schichten auf. Wenn du unsere kostenlosen Ausmalbilder ausdruckst, erzielst du mit Papier von etwa 100 bis 120 g/m² oder leichtem Karton die besten Ergebnisse. Die Druckereinstellungen findest du unter Ausmalbilder drucken.
Motive zum Üben
Übe diese Techniken an Motiven mit einer Mischung aus großen und kleinen Flächen:
- Blumen-Ausmalbilder sind ideal, um das Schattieren und Verblenden von Blütenblättern zu üben.
- Mandala-Ausmalbilder eignen sich prima, um Farbpaletten zu üben.
- Tier-Ausmalbilder helfen dir, Fell- und Federstrukturen zu üben.
Ausmalen ist als Hobby neu für dich? Dann fang mit unserem Ratgeber Ausmalen für Erwachsene an.
Häufige Fragen
Wie bekommt man mit Buntstiften gleichmäßige Flächen?
Male mit wenig Druck und bau mit kleinen kreisenden Bewegungen mehrere Schichten auf. Zum Schluss verblendest du mit einem farblosen Blender oder polierst mit einer hellen Farbe.
Warum sehen meine Buntstiftflächen fleckig aus?
Meist liegt es an ungleichmäßigem Druck oder uneinheitlichen Strichen. Lass dir Zeit, male in kleinen Kreisen und trage lieber weitere leichte Schichten auf, statt fester aufzudrücken.
Kann man Buntstifte ohne Blender verblenden?
Ja. Leg die beiden Farben an der Nahtstelle mit wenig Druck übereinander oder geh mit einem weißen oder hellen Buntstift darüber.
Was ist der Unterschied zwischen wachs- und ölbasierten Buntstiften?
Wachsbasierte Buntstifte sind weicher und cremiger, ölbasierte sind fester und bleiben länger spitz. Beide lassen sich gut verblenden, und viele Künstlerinnen und Künstler nutzen sie zusammen.



